Alltägliche Apps
Überblick
Digitale Überwachung ist häufig Bestandteil von (Ex-)Partnerschaftsgewalt und kann für Betroffene extrem belastend und gefährlich sein. Die Überwachung erfolgt meist über legale Apps aus dem Alltag.
Über welche Apps sind Ortung und Überwachung möglich?
Für viele Bereiche unseres Lebens sind wir bei Online-Diensten angemeldet und nutzen dafür Apps auf unserem Smartphone:





Wie werden Apps im Kontext von (Ex-)Partnerschaftsgewalt missbräuchlich verwendet?
Die meisten Apps erfordern ein Nutzer*innen-Konto, um sie zu verwenden. Hierzu geben Nutzer*innen eine E-Mail-Adresse und ein Passwort an. Wenn Gefährder die Zugangsdaten zu den Online-Diensten kennen, können sie darüber:
- Betroffene digital nachverfolgen,
- deren Aufenthaltsort erfahren
- und unbefugt Passwörter oder Einstellungen ändern.
Über Ortung und Überwachung üben Gefährder Kontrolle und Macht aus. Typische Apps, die Täter für Cyberstalking missbrauchen, sind:
1. Apps aus den Bereichen Kommunikation, Essenslieferungen, Unterhaltung etc.
Beispiel-Apps: WhatsApp, Spotify, Lieferando
Funktionen: Aktivitätenverlauf und Unterhaltungen mit Dritten einsehen
2. Standort- und „Familien“-Tracking-Apps
Beispiel-Apps: Google Maps, Apple Find My
Funktionen: aktuellen Standort und Bewegungsverläufe einsehen
3. Smart-Home- und Smart-Car-Apps
Beispiel-Apps: Google Home, Amazon Alexa, Ring, herstellerspezifische Auto-Apps
Funktionen: Kameraaufzeichnungen in Echtzeit oder nachträgliche Überwachung, Türen/Licht/Heizung aus der Ferne steuern, Ortung von Fahrzeugen und Zugriff auf Fahrzeugfunktionen aus der Ferne
4. Apps für Wearables (tragbare internetfähige Geräte) und gekoppelte Geräte
Beispiele: Smartwatches, Bluetooth-Kopfhörer, Fitness-Apps
Funktionen: Standort verfolgen
Missbräuchliche Verwendungsmöglichkeiten
Was die Apps ermöglichen, ist grundsätzlich legitim, zum Beispiel:
- das Licht zu Hause über eine App aus der Ferne steuern
- eine WhatsApp-Unterhaltung von verschiedenen Geräten aufrufen
- den eigenen Standort sehen oder den Standort einer anderen Person einsehen, die diesen freiwillig geteilt hat

Das Problem liegt darin, dass dieselben Funktionen auch missbräuchlich genutzt werden können. Im Deutschen wird dafür der sperrige Begriff „Doppelverwendungsfähigkeit“ genutzt, im Englischen einfach „Dual-Use“. Täter nutzen diese Dual-Use-Apps zur Überwachung und Ortung der Betroffenen.
Was ist der Unterschied zu Stalkerware?
Stalkerware dient speziell zum Ausspionieren und ist eine eigenständige Überwachungs-Software. Täter können so umfassend verfolgen, was die Betroffene mit dem Gerät macht.
Im Fall von Dual-Use-Apps missbrauchen Täter bestimmte Funktionen von Apps. Teilweise handelt es sich um Apps, die Betroffene bereits im Alltag nutzen. Für diese Art der Überwachung sind wenige Technikkenntnisse erforderlich. Die Dual-Use-Apps sind für Täter oft der einfachste Weg zur Kontrolle und sie sind weiter verbreitet, als Stalkerware.
Dieser Beitrag wurde von Ave Maria Fischer verfasst.
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sind Programme, die die digitalen Aktivitäten einer Person ohne deren Wissen oder Zustimmung überwachen. Viele Aktivitäten und Informationen auf dem Smartphone der Betroffenen können vom Täter so ausspioniert werden: vom Aufenthaltsort mit Fotos und Videos über Chatverläufe bis hin zu Anrufprotokollen.
ist eine Technologie, mit der Daten zwischen Geräten über kurze Entfernungen übertragen werden können. Dafür wird Funktechnik genutzt. Zum Beispiel können kabellose Kopfhörer oder Tastaturen über Bluetooth mit einem anderen Gerät verbunden werden.
ist ein Programm, das auf mobilen Geräten, wie Smartphones und Tablets, verwendet werden kann. Es gibt Apps für alle möglichen Zwecke: vom Versenden von Nachrichten über soziale Medien bis zum Onlinebanking. App ist die Kurzform des englischen Wortes „application“ (Anwendung).